St. Patrick und der Symbolismus

S. Patrick und der Symbolismus

Titelbild_St-Patricks-Day (c)woods-of-voices_Celtic Cross (c) Pixabay

Weltweit feiert man heutzutage am 17. März den St. Patrick’s Day – mit der dominierenden Farbe Grün, großen Paraden, viel Getöse und noch mehr Alkohol. Doch wozu? Und wer war dieser Mann eigentlich?

Klar ist: Er war ein Heiliger und gilt als Schutzpatron der Iren. Er war es – angeblich im Alleingang, der die heidnischen Kelten zum christlichen Glauben bekehrt haben soll. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs.

St. Patrick: Geschichte und Mythos

St-Patrick (c) Pixabay
Statue von St. Patrick
(auf den Hügeln von Tara)

Anders als in Kontinentaleuropa, verlief die Einführung des Christentums in Irland schleichend und Elemente des keltischen Glaubens wurden in die „neue“ Religion übernommen und verschmolzen so miteinander. Nicht zuletzt, da es die christlichen Mönche waren, welche die Legenden und Sagen der Kelten sammelten und schließlich niederschrieben. Dazu aber später mehr.

Den Überlieferungen zufolge, tauchte irgendwann im 5. Jahrhundert ein christlicher Bischof namens Patrick in Irland auf und begann damit, das heidnische Volk zu bekehren. Beim „Wie?“ und „Warum?“ spalten sich die Geister. Die Geschichten über den heiligen Patrick sind mitunter recht konfus und ebenso fantastisch, wie die der keltischen Götter und Helden. In vielen Berichten werden ihm wundersame Kräfte zugeschrieben, einige davon ganz ähnlich (oder gar gleich) der druidischen Zauberei. Und das, obwohl Patrick das Druidentum regelrecht verabscheute.

Trivia: Übrigens assoziierte man früher eigentlich Blau mit dem heiligen Patrick. Erst seit dem 19. Jahrhundert ist Grün die dominierende Farbe – bekanntlich ist Irland die grüne Insel. Außerdem ist das Kleeblatt, welches direkt mit St. Patrick in Verbindung gebracht wird, ebenfalls grün.

Als einziges sicheres Dokument gilt die „confessio“, also das Bekenntnis von Patrick. In diesem erzählt er von seiner privilegierten Kindheit in Britannien und wie er im Alter von 16 Jahren nach Irland verschleppt und dort als Sklave gehalten wurde. Sein Herr soll ein keltischer Stammesfürst und Druide namens Milchu gewesen sein. Als Patrick eines Tages ein Engel erschien, schaffte er es zu fliehen und reiste nach Frankreich. Dort wurde er zunächst Priester und schließlich Bischof. Eines Nachts soll er Stimmen gehört und diese als das irische Volk erkannt haben, die ihn baten, zurückzukehren. Alsdann beschloss er zurück an den Ort seiner Gefangenschaft zu reisen und Irland vom heidnischen Glauben zu befreien. Bis zu seinem Tod (angeblich am 17. März 461) soll er tausende Heiden zum Christentum bekehrt haben.

Spätere Berichte gehen noch etwas weiter. Aus zahlreichen Kämpfen gegen sogenannte Zauberer (also Druiden) soll er triumphierend herausgegangen sein. Er gewann sie allerdings (zumeist) nicht durch Magie, sondern Gebete. Eine der bekanntesten Geschichten über die Wirksamkeit seiner Gebete dreht sich um das rituelle Beltanefeuer. Die keltische Regel besagte, dass es ausschließlich dem ranghöchsten Druiden (Priester) vorbehalten war, das erste Feuer (auf dem Hügel von Tara) zu entzünden. Entgegen des Brauchs – und vermutlich aus reiner Provokation – versuchte Patrick das Feuer in Gang zu bringen, was einen Aufstand der keltischen Priester zur Folge hatte. Patrick betet also für deren Tod und prompt tut sich die Erde auf und verschlingt sie alle. Es gibt zahlreiche Erzählungen, wie Patrick Gott darum bittet, die Heiden zu zerstören. Paradoxerweise steht heute auf dem Hügel von Tara eine Statue von St. Patrick, obwohl es doch der heiligste Ort der Kelten gewesen war.
Eine andere Geschichte erzählt, wie er es schafft, alle Schlangen aus Irland zu verbannen – wobei diese selbstverständlich sinnbildlich für die Druiden und das keltische Lebensgefühl stehen. Nicht zuletzt, da die Schlange eins der heiligen Symbole der Kelten darstellte.In der irischen Tradition wird allerdings auch häufig behauptet, Patrick habe sich derselben Zaubersprüche bedient, die den Druiden zugeschrieben wurden.
Zwar hat jede Legende auch einen historischen Kern, aufgrund der teilweise überspitzten Darstellung, liegt der symbolische Gehalt eher im Bereich des Mythos.

 

Hill Of Tara
County Meath in Irland

Symbolische Einheit

Generell ist die Ähnlichkeit des Symbolismus beider Glaubensrichtungen bemerkenswert auffällig. So soll Patrick den Heiden, angeblich anhand eines dreiblättrigen Kleeblatts, die heilige Dreifaltigkeit (Vater, Sohn, heiliger Geist) erklärt haben. Auch wenn diese Geschichte ebenfalls als umstritten gilt, so könnte doch ein Fünkchen Wahrheit darin stecken, denn immerhin ist das Kleeblatt heute das Nationalsymbol Irlands. Zudem vereinigt sich hier der christliche mit dem druidischen Glauben. Denn auch bei den Kelten war die Zahl 3 heilig.

Bereits in vorkeltischer Zeit von enormer Bedeutung, wird die 3 seit jeher als die Zahl der Vollkommenheit betrachtet; als Gesamtheit von Anfang, Mitte und Schluss.

Viele Götter – zumeist Göttinnen – tauchen in ihren Darstellungen dreifach auf, ebenso wie sich einige Mythen um Dreiecksgeschichten drehen. Die erste Dreiergruppe bilden die sogenannten „Muttergöttinnen“ (Matronen), welche in fast allen alten Kulturen zu finden sind. Dargestellt werden dabei stets Jungfrau, Mutter und altes Weib, welche symbolisch für Wachsen, Fruchtbarkeit und Vergehen oder aber Frühling, Sommer und Winter stehen. Häufig als Dreiergespann auftretende Göttinnen sind: Banba, Fódla und Ériu (“Die Mütter Irlands“); Morrigan (Todesgöttin und zugleich Göttin der Fruchtbarkeit) und Brigid (mit ihren beiden gleichnamigen Schwestern).

Letztere war eine der wichtigsten Gottheiten überhaupt – die dreifaltige Göttin von Feuer (Schmiede), Dichtkunst und des Wassers (Heilkunst). Leicht zu verwechseln ist die Göttin Brigid mit der heiligen Brigida – einer, vom heiligen Patrick bekehrten, Druidentochter. Viele Eigenschaften der Göttin werden auch der Heiligen zugeschrieben, wodurch im Laufe der Zeit die Legenden beider regelrecht verschmolzen. Damit schließt sich erneut der Kreis zwischen Heiden- und Christentum.

Zutiefst von den Christen verachtet wurden allerdings die Menschenopfer, die in heidnischen Kulturen durchaus gebräuchlich waren. Bei den rituellen Opferungen wurden Kriminelle oder Kriegsgefangene häufig auf dreifache Weise getötet – durch schlagen, strangulieren und ertränken. Bekanntestes Opfer: der Lindow-Mann – ein mumifizierter Kelte, der in einem Moor nahe Manchester entdeckt wurde.

Weitere Dreifachdarstellungen:
  • Die 3 Erleuchtungen: Besondere Fähigkeiten, die für die Erlangung größtmöglicher Weisheit (Magie) notwendig waren.
  • Die 3 Kessel: Wärme, Weisheit und Wissen als Inspirationsquellen der Dichter. (Wobei der Kessel an sich schon ein heiliger Gegenstand war.)
  • Die 3 Kräfte der Musik: Freude, Schlaf und Leid.
  • Die Legende von Amergin erzählt von 3  Königen Irlands.
  • Die 3 Gesichter des Lugh (Gott des Lichtes) und viele andere Götter, welche mit 3 Köpfen dargestellt wurden.

Ebenso häufig taucht die Zahl 9 in vielen Weltanschauungen (z.B. Nordischer Mythologie) auf. Nicht zuletzt, da diese als Zahl absoluter Vollkommenheit gilt und dreimal die heilige Zahl 3 enthält. Zudem ist 9 bekanntermaßen die Summe aus 5 und 4 – beides auch keine unwichtigen Zahlen.
Während die 4 meist für die Himmelsrichtungen oder die Elemente steht, gilt die 5 als Totalität von Zeit und Raum und ist entsprechend häufig in den mythologischen Erzählungen zu finden.

Vorwiegend sind es jedoch 3 und 9, welche als ständigwiederkehrendes Motiv in fast allen keltischen Sagen auftauchen. So sind es beispielsweise 9 heilige Hölzer, die benötigt werden, um das große Feuer zum Beltanefest (30. April / 1. Mai) zu entzünden. Der Haselbusch der Weisheit trägt genau 9 Nüsse. König Artus wird von Morgana und ihren 8 Schwestern (alsoinsgesamt 9 Frauen) auf der Insel Avalon empfangen… Und so weiter.

Sowohl die 3, als auch die 9 finden sich ebenso häufig vielen in vielen christlichen Erzählungen. Diese Dualität beider Religionen war wohl einer der Gründe dafür, dass die Kelten den christlichen Glauben bereitwilliger annahmen, als es andernorts der Fall war.

Die wohl plakativste, symbolische Einheit beider Glaubensrichtungen ist das Keltische Kreuz oder auch “Kreuz von Iona“. Allerdings geht dies zurück auf den Heiligen Kolumba (Columcille).
Dieser war – im Gegensatz zu St. Patrick – deutlich besser auf die heidnischen Kelten zu sprechen. Den Erzählugen nach, ging der Sohn einer irischen Königsfamilie sowohl bei einem Druiden, als auch bei einem christlichen Priester in die Lehre.
Schließlich zog er mit 12 Gefährten auf die Insel Iona und errichtete dort ein Kloster, wo er angeblich ein ebensolches Kreuz errichtete.

Die Kombination aus dem christlichen Kreuz und dem umschließenden Ring (als Symbol für die Sonne) repräsentiert die Einheit christlicher und heidnischer Spritualität. Nicht selten sind zudem keltische Ornamente, wie der Keltische Knoten, darauf zu finden. Eine typische Darstellung ist in unserem Titelbild zu sehen.

Triskele

Klee

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