Es ist kein besonders gut gehütetes Geheimnis, dass ich ein Faible für Flugzeuge habe. Nicht zuletzt durch meinen Papa, steckt in mir seit jeher eine tiefe Begeisterung dafür. Seien es die Größenverhältnisse oder schlichtweg der immerwährende Traum vom Fliegen und der damit einhergehenden Freiheit. Ein Blick hinter die Kulissen des Flugzeugbaus – besonders bei Airbus – war zeitlebens ein Traum, den ich mir – warum auch immer – nie erfüllt habe. Bis jetzt…
Jeder Mensch soll Träume haben. Umso schöner ist es, wenn diese auch in Erfüllung gehen! Kürzlich stand unser Fotoerlebnis in der Lüneburger Heide an. Unweit dieses wundervollen und beschaulichen Fleckchens Erde liegt Hamburg. Zugegeben das komplette Gegenteil des Naturschutzgebietes, welches wir wenig später sehen und erleben wollten. Und doch haben wir uns bewusst für einen Abstecher in die zweitgrößte deutsche Stadt begeben. Wir wollen zum Planespotting nach Finkenwerder. Warum aber ausgerechnet hierhin und nicht nach Fuhlsbüttel? Ganz einfach: Weil in Finkenwerder mehrmals täglich der Airbus Beluga zugegen ist; ein Frachtflugzeug, das Flugzeugbauteile transportiert. Dies war der Hauptgrund für unseren kleinen Exkurs. Bis mich mein Freund eine Woche vor Reiseantritt mit der Nachricht überraschte, dass wir nicht nur Flugzeuge gucken, sondern tatsächlich eine Werkstour bei Airbus machen würden. 🥹
Airbus – Einblick in Europas größtes Luft- und Raumfahrtunternehmen
Nachdem wir am Vorabend bereits eine Teilstrecke zurückgelegt hatten, mussten wir nicht allzu früh raus und kamen mit ausreichend Zeitpuffer im Airbus-Werk in Finkenwerder an. Segen und Fluch zugleich, weil wir so „leider“ schon mal durch die Merchandise-Abteilung stöbern konnten. 🫣 Wie jedes Unternehmen, dass etwas auf sich hält, ist hier vom Schlüsselband, über den Modellflieger bis hin zum Polohemd alles zu haben, was der Geldbeutel hergibt (oder auch nicht).

Pünktlich um 10:10 Uhr ging unsere Führung los. Zunächst wurde uns ein Film gezeigt, der uns perfekt auf die folgende Tour einstimmte. Mit dem Bus beförderte man uns anschließend ins Werksgelände, und schnell standen Mund und Augen weit offen. Das Werk gleicht einer eigenen Stadt. Die Dimensionen sind gewaltig und ich frage mich noch heute, wie man als Mitarbeiter hier den Überblick behalten kann.
Apropos Überblick: Bereits auf dem Weg zu unserer ersten Station wurde uns sehr viel über die unterschiedlichen Gebäude und Fertigungshallen erzählt. Zu viel, als dass ich mir das alles merken könnte. 😅 Während unserer etwas über zweistündigen Tour gab man uns tolle Einblicke in die Ausrüstungs- und die Endmontage. Wir durften den Arbeitern aus entsprechender Entfernung quasi über die Schultern blicken und annähernd nachempfinden, welcher Aufwand in der Flugzeugfertigung steckt. Vor allem aber, welches Maß an Sicherheit und Genauigkeit zu gewährleisten ist.
Einen Airbus A380 bekamen wir leider nicht zu sehen. Das ist allerdings auch kein Wunder; immerhin ist die Fertigung seit 2021 eingestellt. Dennoch ließ sich in der Endmontagehalle erahnen, welche Ausmaße das weltweit größte Passagierflugzeug hat. Wo heute drei Flugzeuge Platz finden, stand noch vor wenigen Jahren ein einziger A380.
Wo ist denn nun die Beluga?
Ein Highlight unserer Tour sollte die Be- und Entladung einer Beluga sein. Während der Führung bekamen wir mit, wie unser Guide immer wieder in Funkkontakt zu einem Mitarbeiter stand und den Status abfragte. Wir schienen an diesem Tag kein Glück zu haben. Der Frachter hatte Verspätung und würde voraussichtlich nicht mehr während unseres Rundgangs ankommen. Ernüchterung und auch ein wenig Traurigkeit machten sich breit. Davon ließen wir uns aber erstmal nicht die Stimmung vermiesen. Es gab ja dennoch allerhand zu sehen.
Als wir die letzte Halle besichtigten (Endmontage) kam dann doch noch der ersehnte Funkspruch: „Die Beluga ist im Anflug!“ Flinken Fußes kehrten wir zum Bus zurück, der uns zur Halle 82 brachte. Mit klopfenden Herzen und hoffnungsvollen Blicken versuchten wir den besten Blick auf den Frachter zu erhaschen. Ernüchterung machte sich breit. Das beste der Beluga – die ikonische Nase – konnten wir gar nicht sehen, weil diese bereits bis zu den Triebwerken in der Halle steckte. Aber darum soll es bei der Werkstour auch gar nicht gehen. Man wolle uns schließlich nur die Besonderheit des Be- und Entladens zeigen. Nämlich, wie sich das Hallentor komplett um das Flugzeug schließt – toll!
Bitte nicht falsch verstehen… Das ist schon interessant und äußerst spannend. Wenn man allerdings unter anderem hierher gekommen ist, um die Beluga in ihrer vollumfänglichen Schönheit zu sehen, sei an dieser Stelle eine dezente Enttäuschung durchaus angebracht. Nichtsdestotrotz gaben wir die Hoffnung nicht auf. Die Maschine war ja eben erst beim Entladen und würde später bestimmt auch wieder abheben.
Mobbing am Rollfeld
Allmählich näherte sich die Werkstour dem Ende und der Bus brachte uns zurück ins Besucherzentrum. Mit etwas Zeitdruck im Nacken ließen wir uns einen kleinen Shopping-Rausch natürlich nicht entgehen und begaben uns anschließend zurück zum Parkplatz. Auf dem Weg dorthin sahen wir die Beluga bereits auf das Rollfeld fahren und überlegten, ob wir lieber an Ort und Stellen bleiben oder mit Turbo in Richtung Aussichtshügel aufbrechen sollten. Wir entschieden uns für die letzte Option. (Keine Sorge, liebe Freizeit-Ordnungshüter: Selbstredend sind wir ordnungsgemäß gefahren!)
Beim Ausparken dann ein kleiner Schock. Im Rückspiegel erspähten wir eine BelugaXL im Landeanflug. Mein Herz stand für einen Moment still. Gleichzeitig versuchte sich mein Freund, von dem Ohrenbetäubenden Schrei zu erholen, mit dem ich ihn beinahe in Ohnmacht versetzte. Wir sammeln uns kurz und brachen dann zum Aussichtspunkt auf, wo der soeben gelandete Flieger in aller Seelenruhe an uns vorbeirollte. Kurz den Moment genossen, eilten wir den kleinen Hügel hinauf und erlebten unsere Glanzstunde. Wir hatten es geschafft und sahen den Start einer Beluga! 🥳
Wer denkt, an dieser Stelle war unsere erlebnisreiche Tour zu Ende, der täuscht sich gewaltig! Dieser Tag hatte für uns noch weitere Überraschungen parat. Kurz nachdem wir uns für eine Mittagspause entschlossen, landete doch tatsächlich eine weitere BelugaXL. Mein Freund hatte Glück: Der war vorher mit Kamera bewaffnet ausgestiegen und ist nochmal den Hügel hoch. Ich wollte das Auto hüten. (Kann ja keiner wissen, dass der Schlüssel steckte und ich jederzeit hätte hinterher gehen können. Ich hab mehrfach überlegt! 🤦🏻♀️) So saß ich also ungläubig mit meinem Stück Möhre im Mund im Auto, während der sanfte Riese vor meinen Augen vorbei schwebte und sanft auf die Landebahn aufsetzte. Shit happens!
Immerhin hatten wir genügend Zeit mitgebracht und so lange gewartet, bis die nächste Maschine wieder abgehoben ist. Diesmal waren wir beide rechtzeitig auf dem Aussichtshügel. Mit Kameras im Anschlag und seligen Herzen, die diesen Tag so schnell nicht vergessen werden.
Pro
Die Tour wird von einem erfahrenen Mitarbeiter begleitet, der durch jahrelange Erfahrung enorm viel Wissen weitergeben kann. Zudem bekommen alle Beteiligten ein Audiogerät an die Hand, um den Guide besser verstehen zu können.
Während der Tour bekommen die Besucher tolle und einzigartige Einblicke in das Unternehmen. Ich für meinen Teil, bin selten so nah an die großen Maschinen gekommen, wie bei dieser Werkstour. Zu guter Letzt, werden alle Fragen kompetent und geduldig beantwortet.
Contra
Das Audiogerät hat leider bei entsprechender Entfernung zum Redner (Bsp. Treppenhaus) kurze Signalverluste.