Von Hexen und Zauberern – eine magische Geschichte

Von Hexen und Zauberern - eine magische Geschichte

Hexentitel (c) woods of voices

Die Natur und alles Magische strahlt eine besondere Faszination auf uns aus. Kein Wunder, dass es uns gerade die Hexen und all ihre Mysterien angetan haben.
Jahrhunderte, gar Jahrtausende bewegte Geschichte und sagenumwobene Geheimnisse, verbinden wir mit dem Begriff „Hexerei“. Nicht zuletzt dank der Märchen der Gebrüder Grimm, hat sich ein bestimmtes Bild in unser aller Köpfe gebrannt.

Doch was steckt hinter all dem? Sind die Geschichten wahr oder Fiktion? Was ist Fakt und was Aberglaube?
Wir haben dieses große historische und magische Feld einmal genauer beleuchtet; sind auf Spurensuche gegangen und dabei selbst auf einige Dinge gestoßen, die auch für uns neu waren.

Inhalt

Es gibt Themen, die nicht in zwei bis drei Minuten abgehandelt sind. Dazu gehört definitiv die Geschichte der Hexen. Und selbst damit haben wir uns ganz schön in Zaum gehalten. 😁 Damit es für euch hübsch übersichtlich bleibt, arbeiten wir nun das erste Mal mit einem Inhaltsverzeichnis. Wie schon bei den Kelten, sind einige Themen auf Unterseiten ausgelagert, um die Struktur zu wahren und die Performance der Seite aufrecht zu erhalten.
Nun wünschen wir euch aber viel Spaß beim Eintauchen in die lange Geschichte der Hexen.

Hexentanz (c) woods of voices

Geschichte

Baumstammhexe (c) woods of voicesDie Ursprünge der sogenannten Hexen liegen ganz klar bei den Druiden und Schamanen der alten Kulturen. Diese hatten eine Verbindung zu den Göttern und der Anderswelt, besaßen heilende und wahrsagerische Fähigkeiten, konnten jedoch auch Urteile sprechen und somit über Leben und Tod entscheiden. War die Druidenklasse in der Gesellschaft der alten Kulturen noch hoch angesehen, so war sie den Christen ein Dorn im Auge. Schließlich durfte kein irdisches Wesen Fähigkeiten besitzen, welche ausschließlich dem einzig wahren Gott vorbehalten waren.
Eine weitere Diskrepanz lag in der Rolle der Frau. Während die Weiblichkeit im heidnischen Glauben, aufgrund ihrer Stärke und Fruchtbarkeit, eine tragende Rolle spielte (Stichwort: Mutter Erde) und verehrt wurde, war insbesondere die römisch-katholische Kirche streng patriarchisch ausgerichtet. Frauen waren häufig des Mannes Besitz und hatten zu tun, wie ihnen geheißen.

Von Göttern zum Teufel

Demnach galten Frauen, die besondere Fähigkeiten und/oder eine innige Verbindung zur Natur hatten, als absonderlich – wenn nicht gar abscheulich. Damit einhergehend war nämlich zumeist eine gewisse Unabhängigkeit – nicht zuletzt, da es sich meist um alleinstehende, ältere Frauen handelte. Diese hatten sich durch jahrelange Erfahrung häufig umfangreiches Wissen über die Natur und ihre heilenden Kräfte angeeignet.
Der Irrglaube der Satansanbetung geht weiterhin auf das generelle Unverständnis der Christen gegenüber der alten Religionen zurück. Dort glaubte man an mehrere Götter, welche allesamt einen Bezug zur Natur hatten. Für Druiden und Heilerinnen von besonderer Bedeutung war jedoch Cernunnos, der Gott des Waldes, der Jagd, der Fruchtbarkeit und Wiederauferstehung. Zudem ist er ein Wächter der Anderswelt und trägt den Beinahmen „Der Gehörnte“. Gerade diese letzten beiden Attribute machten ihn zu einem Abbild Satans und somit zum Feindbild des Christentums. 
Heidnische Feste und Rituale wurden bald als „Sabbat“ bezeichnet, bei denen (vornehmlich) Frauen angeblich den Teufel anbeteten und sich ihm hingaben, um außergewöhnliche Kräfte zu erlangen. Weiterhin sollen durch derlei Zusammenkünfte zwischen Menschen, dem Teufel und seinen Dämonen (incubi =  männliche Dämonen und sucubi = weibliche Dämonen) sogenannte „Teufelskinder“ gezeugt worden sein, denen wiederum unermessliche Kräfte zugeschrieben wurden. 
Mit der Zeit wurden den sogenannten Hexen freilich weitere Wesensmerkmale und Fähigkeiten angedichtet, wodurch unser heutiges, archetypisches Bild entstanden ist.

Verfolgung der sogenannten Hexen

Mauerhexe (c) woods of voicesDie Zeit der Hexenverfolgung bringen wir meist mit dem Mittelalter in Verbindung. Das stimmt jedoch nur bedingt. Die Hochphase der Verfolgung, Prozesse und Verurteilungen begann im 15. Jahrhundert – also der frühen Neuzeit. Vereinzelte Hinrichtungen wegen Zauberei gab es jedoch bereits in den Jahrhunderten davor.
Schon im 7. Jahrhundert kam der Begriff „Striga“ auf und bezeichnete einen Menschen, der sich angeblich der Zauberei bemächtigte und sich obendrein (in manchen Fällen) von Menschenfleisch ernährte. Wurde ein Mann (Ja, manchmal waren es auch Männer – zumeist sogar Priester!) oder eine Frau dessen bezichtigt, war die Todesstrafe häufig die Konsequenz. Tatsächlich wurden in einigen heidnischen Ritualen zuweilen Menschenopfer dargebracht, jedoch waren dies meist Freiwillige oder Kriegsgefangene. Für die frommen Christen (Achtung, Sarkasmus!) – welche selbstverständlich nie Blut vergossen und schon gar nicht im Namen des Glaubens – war dies ein klares Zeichen, dass die Opfer Dämonen oder gar dem Teufel selbst dargeboten wurden.

Hexenwerk

Die Menschen der damaligen Zeit waren so intelligent und unwissend zugleich. In der Welt selbst lag vieles noch unentdeckt vor ihnen. Phänomene, die sie sich nicht erklären konnten, waren eben ein Produkt der Zauberei. Dürren, Unwetter, Missernten, Hungersnöte, Epidemien… Alles Hexenwerk. Schließlich musste ja jemand die Schuld daran tragen. Wenn es nicht gerade der Zorn Gottes war, dann wohl eine beleidigte oder verschmähte Frau, welche Rache an ihren Peinigern nehmen wollte. 
Hexenversammlung (c) woods of voicesHandelte es sich bisher lediglich um einzelne Prozesse und Verurteilungen, wurde die Verfolgung nach 1215 allmählich im großen Stil betrieben – oder zumindest auf rechtlicher Grundlage. In diesem Jahr erließ Papst Innozenz III. nämlich ein Edikt zum geistlichen Inqusitionsprozess. Auf dessen Grundlage wurden die späteren Hexenverfolgungen vollzogen.
Allmählich ging es nicht mehr nur um einzelne Personen. Bald nahm man an, dass sich im Untergrund eine komplette Bewegung formte – eine Sekte. Jedwede Gruppen, die sich im „Verborgenen“ trafen, wurden dessen beschuldigt. Dabei handelte es sich hierbei meist um ohnehin bereits verfolgte Personen, welche sich aus Angst zusammenschlossen und heimlich trafen – wie Juden, Witwen, die Frauen von Soldaten oder Seefahrern, sowie generell alleinstehende Frauen. Naturverbundenheit, nicht-christliche Gebete oder schlicht gemeinsames Musizieren – neben vielerlei anderen, eigentlich normalen Aktivitäten, galten diese Dinge als ketzerisch. Daraus entwickelte sich schnell eine Art Gesamtbild von Hexen und ihrer Teufelsanbetung. Dabei wurden lediglich jüdische und heidnisch-schamanische Rituale mit der vorherrschenden Vorstellung von Dämonen, dem Teufel und einer gehörigen Prise unterdrückter Sexualität vermischt – fertig war der Hexensabbat und somit auch die Vorgaben für den sogenannten Hexenhammer.

Ein schlaues Köpfchen, namens Heinrich Kramer, machte es sich zur Aufgabe, ein Regelwerk zur Hexenverfolgung zu verfassen. Als Inquisitor hatte er in seinen besten Jahren nämlich kaum noch etwas zu tun. (Die Verfolgung der Juden reichte ihm anscheinend nicht aus.) Ferner war er überzeugt, dass die „Hexensekte“ noch immer ihr Unwesen trieb und auf’s Schärfste bekämpft werden muss. Unbeeindruckt davon, dass viele seiner Brüder im Geiste ihn für verrückt und sogar unzurechnungsfähig hielten, machte er sich – nach einer umfangreichen Korrespondenz mit dem Papst (diesmal Innozenz VIII.) frisch ans Werk und veröffentlichte 1487 das „Malleus maleficarum“. Hierzulande besser bekannt als der Hexenhammer (Anzeige)
Hierbei handelt es sich jedoch nicht etwa um wahnsinniges Gedankengut Kramers – nein. Vielmehr ist es eine Ansammlung jeglicher Gerüchte und Ideen, welche ohnehin in ganz Europa über die Hexen kursierten. Selbstverständlich bringt sich der gute Heinrich aber auch persönlich mit ein: In seiner offensichtlichen Abneigung und paranoiden Einstellung gegenüber Frauen, stellt er diese als besonders schwach und somit anfällig für das Balzverhalten des Teufels dar. 

Folter als probates Mittel

Davon ausgehend, dass der oder die Beschuldigte die Verbrechen wohl nicht von selbst gestehen würde, plädierte Kramer zudem stark für die Folter, welche äußerst herabwürdigend und schmerzhaft zugleich war. Dabei wurden die Angeklagten komplett entkleidet und geschoren, auf einer Pritsche festgeschnallt und solange mit Nadeln drangsaliert, bis ein sogenanntes Teufelsmal gefunden wurde. Und das war nur der erste Streich. Danach wurde man geradezu kreativ, wenn  die „richtige“ Folter begann. Das sogenannte „Aufziehen“ galt als probates Mittel. Hierbei wurden die Gefangenen an den Händen in die Höhe gezogen, welche hinter dem Rücken gefesselt waren. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, hängte man gerne noch zusätzliche Gewichte an die Füße. Auch die „Wasserprobe“ gehörte zu einer beliebten Methode, ein Geständnis zu erzwingen. Hierbei wurden die Angeklagten gefesselt – zuweilen auch in einem Käfig oder an einen Stuhl  – und ins Wasser geworfen. Ging die Person unter, galt sie als unschuldig und wurde gleichermaßen vom Wasser reingewaschen.

Startschuss für die Hexenverbrennung

Überlebten die Beschuldigten diese Qualen, wurde ihnen die Ehre zuteil, bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. Manch ein Schelm könnte jetzt behaupten Heinrich Kramer wäre ein unsäglicher Sadist und Misogyn gewesen, dem die Qualen anderer Freude bereiteten… Aber wer würde so etwas sagen?! Vielleicht hat der kleine Heinrich einfach nur nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit von seiner Mama bekommen… Armer Tropf!
Der Hexenhammer verbreitete sich alsbald schon nicht mehr nur im deutschsprachigen Raum. In ganz Europa diente Kramers Werk als gebündelter Leitfaden gegen die Teufelsanbeter und ihre Brut – fast zwei Jahrhunderte später sogar in Übersee.

Woher stammt der Begriff „Hexe“?

Ganz genau lässt sich dies nicht nachweisen. Eine weit verbreitete Meinung ist jedoch, dass sich das Wort Hexe vom Althochdeutschen hagzissa/hagazussa herleitet, welches im Mittelhochdeutschen zu heese/hesse wird und so viel wie „Heckensitzende“ bedeutet. Ähnlich wie das skandinavische túnrídr oder das oberdeutsche zunrîte, was übersetzt „Zaunreiterin“ heißt. Demnach konnten diese Menschen Grenzen überschreiten und zwischen den Welten wandeln und so ihre Magie wirken.

Heidi im Wald (c) woods of voicesDes Pudels… Ähm, Pardon! – des Hexenglaubens Kern liegt vornehmlich im Alpenraum. Kaum verwunderlich, bedenkt man, dass hier ebenfalls die Wiege des urkeltischen Kultur- und Glaubenskreises ist – einer Kultur, die durch und durch matriarchalisch geprägt ist. Welch Frevel, in den Augen der guten Christen, wo es doch nur einen einzig wahren Herrn und Erlöser gibt. Spaß beiseite!
Hier, also im Alpenraum, liegt auch der Ursprung der Annahme, dass einige Frauen des nachts auf einem Besen durch die Lüfte flögen. In einigen Erzählungen zur „Wilden Jagd“ fliegt der unheilvolle Zug, angeführt von der Hollerfrau (Holda, Frau Holle…), zur Zeit der Rauhnächte über das Land. Zwar versucht die katholische Kirche zunächst diesen heidnischen „Aberglauben“ zu bekämpfen, doch als sich die Anwesenheit von Hexen immer weiter im Glauben der Christen manifestierte, hielt man sogar dies für möglich. Schließlich erhielten sie ihre übermenschlichen Fähigkeiten vom Teufel selbst. 
Die Bezeichnung „Hexe“ taucht im Zusammenhang mit Verfolgungen erstmals 1420 in Frankreich auf. Während das Wort „Hexereye“ ein Jahr zuvor, bei einem Prozess gegen einen Mann in der Schweiz benutzt wurde. Mehr und mehr rückte, gegen Ende des 15. Jahrhunderts, Deutschland in den Mittelpunkt allen Übels. Wieso? Antwort: Heinrich Kramer.
Womit wir wieder beim Malleus Maleficarum wären. Schließlich kommt auch dieser Begriff nicht von ungefähr. Der Begriff malefica taucht erstmals 81 v. Chr. unter der Herrschaft Sullas auf und beschreibt wortwörtlich eine Frau, die „Böses tat“. 

Anmerkung: Das geübte Disney-Auge erkennt hier den bezeichnenden Ursprung von Maleficent (in der alten Dornröschen-Verfilmung noch Malefiz genannt.)

Dies soll an dieser Stelle erst einmal genügen. Da es noch weit mehr Bezeichnungen und Begrifflichkeiten unterschiedlichster Herkunft gibt, könnte ich allein dazu eine ganze Abhandlung schreiben. Das würde unseren Rahmen jedoch kolossal sprengen.

Tragischer Höhepunkt der Hexen-Hysterie und diesbezüglich der wohl berühmteste Fall weltweit ist ganz klar Salem. Wir schreiben das Jahr 1692. Das (äußerlich) beschauliche Örtchen in Massachusetts ist geprägt von Neid und Missgunst; die politische und religiöse Lage instabil; das Klima rau und daher geprägt von Missernten. In der puritanischen Gemeinde ist die Furcht vor dem Teufel allgegenwärtig – nicht zuletzt wegen der ständigen Bedrohung der indigenen Völker, welche ihr Land zurückerobern wollen.

Salem stand zu dieser Zeit unter der geistlichen Führung von Samuel Parris. Eben in seinem Haus begann das Übel. Im Januar 1692 begannen seine Tochter Betty und seine Nichte Abigail sich seltsam zu verhalten. Sie machten wilde Verrenkungen auf dem Boden, verdrehten die Augen, murmelten unverständliche Dinge und heulten den Mond an. Kein Arzt wusste Rat, außer einem gewissen William Griggs. Dieser stellte die These der Besessenheit in den Raum. Da man den Teufel selbst weder fangen, noch vertreiben konnte, musste eben an seinen Handlangern ein Exempel statuiert werden. Diese waren natürlich die Hexen.

Sündenböcke

Die beiden Mädchen beschuldigten prompt drei Frauen: Sarah Good (eine schwangere Bettlerin), Sarah Osborne (eine alte Frau, obendrein bettlägerig) und Tituba (Sklavin im Hause Parris). Binnen weniger Tage bestätigten weitere Mädchen (selbstverständlich ganz freiwillig), unter den selben Symptomen wie Betty und Abigail gelitten zu haben. Am 1. März 1692 wurden die Beschuldigten inhaftiert und einige weitere angeklagt. Da es in Salem jedoch keine wirkliche Regierung gab, konnte zunächst auch kein Prozess geführt werden. Mehr als zwei Monate gingen ins Land, bis Gouverneur Sir William Phips eintraf, um die Verhöre „fachgemäß“ durchzuführen.
Während der langen Inhaftierung wurden viele Beschuldigte krank und starben (z.B. Sarah Osborne, sowie Sarah Goods Baby).
Bis in den September 1692 hinein wurden in Salem und den umliegenden Ortschaften mehr als 200 Menschen der Hexerei oder Mittäterschaft angeklagt. 19 von ihnen wurden gehängt, 1 zum Tod durch Zerquetschung (der 80-jährige Giles Corey) verurteilt. 
Das erste Todesopfer dieser unnützen Hetzjagd war Bridget Bishop. Sie starb am 10. Juni 1692 durch Erhängen. Ihr Prozess dauerte lediglich einen Tag und wurde detailliert protokolliert. Daraus ist mehr als ersichtlich, dass ihr und sicher auch den anderen Angeklagten Worte in den Mund und oder zurecht gedreht worden sind. Schließlich musste jemand die Schuld tragen und man war ja einmal so schön dabei. 

Pranger und Prozess

Nun sei gesagt, dass hier nichts, aber auch gar nichts fachgemäß verlief – sofern man das überhaupt so nennen kann. Die Prozesse mündeten im völligen Chaos. Jeder misstraute jedem. Jeder beschuldigte jeden. Und wer die Aussage verweigerte, geriet umgehend an den Pranger oder schlimmer – siehe Giles Corey.
Unwissenheit, Aberglaube, Angst und Hass waren der Nährboden für diese grauenvollen Ereignisse, welche im Januar 1693 schließlich und endlich endeten. Nicht zuletzt dank des Einspruchs von Increase Mather – einem puritanischen Pfarrer, welcher anfänglich noch hinter der Gerichtsbarkeit steht und zur äußersten Vorsicht vor den „bösen Mächten“ mahnt. Gleichwohl war er der schärfste Kritiker, was den sogenannten Spektralbeweis (nur ein schöneres Wort für Wahnvorstellungen) angeht – anders als sein Sohn Cotton Mather, der den Hexen-Wahnsinn nicht nur unterstütze, sondern sogar befeuerte. Und so prägte ebenjener Increase Mather einen Satz, der in abgewandelter Form noch heute seine Gültigkeit hat.

„Es wäre besser, wenn zehn als Hexen Verdächtigte entkommen, als dass eine unschuldige Person verurteilt würde.“ 

Increase Mather: Cases of conscience concerning evil spirits

Walpurgisnacht (c) pixabay
WALPURGISNACHT
Mystische Orte (c) woods of voices
MYSTISCHE ORTE

Kindesentführung, Menschenfresser und Leichenschänder

Denkt man an Hexen, sind diese Begriffe häufig damit verknüpft. Doch woher kommt dieser Aberglaube? Und waren diese Ängste berechtigt?

Hexen_Mandy_Mauer (c) woods of voicesDas Mittelalter und die frühe Neuzeit waren geprägt von Missernten, Hungersnot, Krankheit und Tod. Logische Folgerung für die damaligen Menschen: Da sind Hexen am Werk! Irgendjemandem musste ja schließlich der schwarze Peter zugeschoben werden. Warum dann also nicht der alleinstehenden alten Dame, die ihre Zeit gern im Wald beim Sammeln von Kräutern verbringt und umfangreiches medizinisches Wissen besitzt? Oder die kinderlose Witwe, die ihren Schmerz offen nach außen trägt und so vielleicht nicht „normal“ erscheint? Oder aber die junge, unverheiratete Frau, die allen Männern den Kopf verdreht und Ehefrauen vor Eifersucht fast platzen lässt?
Oh Menschheit, manchmal machst du es dir so einfach. Damals waren Hexen quasi die allgemein gültige Erklärung für alles Schlechte, was den Menschen widerfahren ist. Daher benutzt man den Begriff Hexenjagd auch heute noch sehr gern, wenn jemand – vermutlich zu Unrecht beschuldigt – als Sündenbock herhalten muss.

Feenkinder

Der Begriff „Wechselbalg“ dürfte dem ein oder anderen schon einmal über den Weg gelaufen sein. Ein uralter, keltischer Mythos besagt, dass des nachts Feen kommen und Menschenkinder in ihr Reich holen. Damit das Verschwinden des Kindes (vornehmlich Säuglinge und Kleinkinder) unbemerkt blieb, ließen sie ein identisch aussehendes Feenkind zurück. Diesen wurden unheimliche Kräfte zugeschrieben, welche sich zumeist durch Krankheitssymptome (Husten, Fieber, unaufhörliches Schreien…) äußerten. Zur Zeit der Hexenverfolgung machte man natürlich diese für derlei Dubiositäten verantwortlich. Es hieß, sie opferten die Kinder an ihren Herrn und Meister – unschuldiges Blut und so… Kehrte ein sogenanntes Wechselbalg zurück, war es selbstverständlich von Dämonen besessen, welche nichts als Unheil bringen sollten. Die Lösung des Problems: Das Kind musste sterben.

Anmerkung: Übrigens wurden auch ungewollte Kinder eines Seitensprungs häufig als Wechselbalg verurteilt. Um die Sünde nicht zugeben zu müssen, erzählte die betroffene Frau einfach, dass sie im Schlaf von einem Incubus (männlicher Sexdämon) heimgesucht und unbemerkt befruchtet wurde. Die Konsequenz für das vermeintlich dämonische Kind war stets dieselbe: Der Tod.

Verschwanden ältere Kinder – weil sie sich im Wald verlaufen hatten oder von selbst wegliefen et cetera – wurde natürlich auch dafür eine schuldige Person gesucht. Klar, es war mal wieder eine Hexe, die dem Teufel eine reine Seele darbieten musste oder des Jünglings Fleisch und Blut für ihre eigene Jugend und Schönheit nutzte.

„Blut ist ein ganz besonderer Saft“

J.W.v. Goethe: Faust, Szene: Studierzimmer

Von den Toten…

Auch der Mythos der Leichenfledderei hat seinen Ursprung in den uralten Kulturen. Besonders Blut und Organe dienten häufig als Beigaben bestimmter Rituale. Lange vor der Christianisierung dienten neben Tier- auch Menschenopfer als Gaben an die Götter. Logisch, dass dies für die Frömmigkeit als barbarisch galt. In der Bibel ist ja zum Glück an keiner Stelle die Rede von Mord und Totschlag. Auch Jesus ist freilich eines natürlichen Todes gestorben. Sarkasmus Ende. Wie dem auch sei…
Hexenkessel (c) woods of voicesWurde im Mittelalter eine verstümmelte Leiche gefunden, musste eine Hexe verantwortlich gewesen sein. War der Leichnam zunächst unversehrt, wurde jedoch nicht gleich anständig begraben, hatte auch hier die Metze des Teufels ihre Finger im Spiel und nicht etwa Tiere, Aasfresser und dergleichen.
Es ist schon richtig, dass einige Teile von Toten weiterverarbeitet wurden. Aber auch das praktizierten schon die alten Römer. So sollte Blut beispielsweise gegen Krampfanfälle und Lepra helfen. Knochen wurden zu Werkzeugen, Zaubermitteln oder gemahlen als Arznei weiterverarbeitet – ebenso wie Menschenfett und so weiter. Die Grenze zwischen Hexerei und Medizin verschwand damals zusehends.

Wie schon gesagt, wurden einige Teile des menschlichen Körpers jedoch auch für Rituale verwendet und das noch bis weit ins Mittelalter hinein. So fand man bei Ausgrabungen im englischen Greenwich sogenannte „Witchbottles“. Versiegelte Flaschen, in denen neben Messingnadeln und Eisennägeln auch Haare, Fingernägel, Reste einer Nabelschnur und ein durchbohrtes Herz aus Leder gefunden wurden. Wer weiß, wozu es gut war. Wird schon alles seinen Sinn gehabt haben.

Energiequellen

Hexen_Heidi_Kugel (c) woods of voicesSinn ergab wohl damals auch der Mythos, dass Hexen Menschenfresser und Blutsauger seien. Hierfür bedienten sich die Inquisitoren bei den antiken Geschichten über Dämoninnen. Die „Succubi“ (weibliche Sexdämonen) haben ihren Ursprung beispielsweise in den griechischen „Empusen“, die Männern im Traum erschienen und ihnen die Lebenskraft aussaugten. Nur so konnte man sich Samenflecken auf dem Bettlaken erklären. Logisch!

Starb ein Säugling den plötzlichen Kindstod, wurden wiederum die „Lamien“ dafür verantwortlich gemacht. Diese nahmen die Form von Vögeln an und saugten den Kindern das Blut aus. Ganz ähnlich, nur noch eine Spur brutaler gingen anscheinend die römischen „Striga“ vor. Diese sollen den Kindern das Fleisch vom Leib und die Innereien herausgerissen haben. Derlei Vorlagen führten zu dem weit verbreiteten Bild der Hexen. Waren sie doch nichts anderes, als Wesen, die mit dem Teufel im Bunde stehen und nur Böses wollen – ganz besonders im Bezug auf Kinder.

Weiterhin erzählte man sich, dass Kinderherzen die Hexen unsichtbar machen würden und falls sie doch gefangen wurden, wären sie so unempfindlich gegen die Folter. Aus den Händen von Kindern sollen sogenannte „Diebeskerzen“ gefertigt worden sein. Solche Kerzen waren unauslöschlich und zeigten an, ob potentielle Opfer schliefen. War dies nicht der Fall, sollten sie betäuben. Dieses „Handwerk“ und der Aberglaube hielten sich noch weiter, bis über die Zeit der Hexenverfolgung hinaus.

VOLKSGLAUBE
Märchenhexe (c) pixabay
HEXEN UND MÄRCHEN
Hexen in Film und Serien (c) woods of voices
HEXEN IN FILM UND SERIEN

Hexen damals und heute

Runen (c) pixabay
ZAHLEN, SYMBOLE UND OBJEKTE
Wicca (c) pixabay
WICCA

Super! Ihr habt es (hoffentlich ohne zu schummeln) bis zum Ende geschafft. Als kleine Belohnung haben wir eine Galerie mit den schönsten Outtakes unseres Hexen-Shootings für euch. Frei von Zwängen und/oder Ängsten, stehen wir zu dem, was/wer wir sind und leben unsere Macken aus. Niemand sollte sich für sein Wesen oder seine Special Effects schämen müssen. Jeder ist auf seine Art besonders und individuell – das soll doch bitte auch jeder zeigen können! Wem das nicht gefällt, hat gefälligst wegzuschauen oder sich in seiner dunklen Kammer zu verkriechen.

Pfeil (c) woods of voices